22.03.2013

Offener Brief an den Analysten Klaus Kränzle



Sehr geehrter Herr Kränzle,

in Ihrer Analyse zur BVB Aktie vom 12.9.2012 schreiben Sie folgendes:

"For the current Bundesliga season we expect Dortmund to secure rank 1 to 3, which enables participation in 2013/14 UCL group stage."

Damit sind Sie also den Prognosen aller Experten und auch der Buchmacher gefolgt, nämlich das es als wahrscheinlich anzusehen ist, daß sich der BVB erneut für die Champions League qualifiziert.

Wenngleich ich Ihr Kursziel schon da als zu niedrig angesehen hatte, konnte ich aber gut nachvollziehen, daß Sie für den Fall, der BVB würde in der aktuellen Champions League besser abschneiden, ein Überarbeiten Ihres Kursziels in Aussicht stellen:

Ihre Analyse vom 15.11.2012:

"After a convincing performance this might be too cautious but highlights the unpredictable football business. We might change our assumptions if BVB finally secures rank 1 or 2"

Nach einem überragenden ersten Platz, haben Sie tatsächlich Ihr Kursziel angehoben, aber nur um 5 Cent. Deutlich zu wenig, wie ich finde. Aber dann mußte ich feststellen, daß Sie plötzlich sehr überraschend Ihre Erwartungen für die Bundesliga Saison heruntergeschraubt hatten:

Ihre Analyse vom 12.12.2012:

"Borussia Dortmund has reached an unexpected first rank in its challenging Champions League group. Therefore we have risen our sales estimates by around EUR5m. For 2013/14 we calculate with a participation in the Europa League."

Borussia Dortmund würde sich also nur für die Euro League qualifizieren, was deutliche Mindereinnahmen im zweistelligen Millionenbereich bedeuten würde. Gleichzeitig gingen Sie nunmehr davon aus, daß der BVB bereits im Achtelfinale der Champions League ausscheiden würde, anders kann man Ihre Gewinnschätzungen nicht deuten.

Sie gingen also davon aus, daß der BVB trotz Wegfalls der Mehrfachbelastung in der Bundesliga zurückfallen würde und das trotz der Tatsache, daß der BVB in der Rückrunde ein Heimspiel mehr hat. Das wäre in der Tat ein sehr negatives Szenario, daß mir Ihre sehr vorsichtige Prognose aber zugleich zugänglicher gemacht hat.

Nun bin ich aber maximal konsterniert, daß Sie in dem Interview vom Deutschen Anleger Fernsehen am 18.1.2013 in der Bundesliga plötzlich wieder von Platz 2-3 ausgehen.

Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man sich erneut für die Champions League qualifiziert oder eben nicht, genau dies kommunizieren Sie ja auch in Ihrem Interview!

In dem Interview sagen Sie zudem, Sie müßten schmunzeln über die Beiträge in den Internetforen, wenn sich Leute über Ihre Kursziele aufregen. Dazu kann ich sagen, ich muß dort gelegentlich auch schmunzeln, aber natürlich nicht über jeden Beitrag. Es gibt dort vollkommen unterschiedliche Kurserwartungen.

Allerdings sind die Erwartungen insgesamt deutlich höher als Ihre. Das hat den simplen Grund, daß die meisten eben nicht von Platz 5 ausgehen wie Sie in Ihrer Analyse vom 12.12.2012. Und daß die Mehrheit der Diskuttanten eben nicht einfach mal so die Erwartungen für die Bundesliga Saison herunterschraubt, ohne einen besonderen Grund. Man handelt mehrheitlich das wahrscheinliche Szenario.

Der BVB hat bis jetzt in der Champions League ca. 30 Millionen (!!!) mehr eingenommen, als selbst einkalkuliert, gleichzeitig ist die Grundvoraussetzung einer erneuten Qualifikation für die Champions League gewahrt. 


Finanzvorstand Treß erwartete 22 Millionen Einnahmen für die Champions League:

http://www.news.de/sport/855309348/bvb-erwartet-nach-meistertitel-und-pokal-rekordgewinn/1/

Stattdessen sind es mittlerweile 53 Millionen:

http://bvbaktie.blogspot.de/2013/03/champions-league-einnahmen.html

Von den ganzen Begleitumständen, nämlich gestiegene Merchandising Erwartungen, weiter steigende Sponsoren und Werbeeinnahmen, sowie weitaus bessere Chancen auf dem Transfermarkt aufgrund der Champions League Erfolge mal abgesehen.

Sie gehen anscheinend davon aus, daß ganz generell keine Spieler verkauft werden, wohl aber gekauft werden, was ein erhebliches Risiko darstellen würde. Dem kann ich absolut nicht folgen. Ich gehe hier, wie in allen anderen Punkten, vom wahrscheinlichen Szenario aus. 

Natürlich will ich nicht abstreiten, daß ein Risiko vorhanden ist, wie bei jeder Aktie. Aber die Aktie wird auch mit einem unfaßbaren Risikoabschlag gehandelt, dadurch wird die Chance ungleich höher, während das Risiko für sinkende Kurse minimiert wird.

In dem Interview äußern Sie auch Ihre Enttäuschung über die niedrige Dividende. Dazu möchte ich anmerken, ich finde es einigermaßen fantastisch, daß man eine Dividendenrendite von satten 2% erreicht, obwohl man nur ein Zehntel des Gewinns ausschüttet. 

Ich finde auch die ganz erheblich gestiegenen stillen Reserven äußerst beachtlich und bin sehr verwundert, daß das weder in Ihren Analysen, noch in Ihren Interviews überhaupt erwähnt wird. Konkret ist der Kaderwert in drei Jahren um 145 Millionen auf 254 Millionen Euro gestiegen, während der Kader nur mit 38 Millionen bilanziert ist.

Ab wann finden Sie das denn interessant oder überhaupt erwähnenswert? Der gesamte BVB kommt auf eine Marktkapitalisierung von unter 200 Millionen Euro. Wie kommt es, daß sie bei einem Aktienkurs von 2,84 und einer Marktkapitalisierung von 173 Millionen Euro auf das gestiegene Risiko hinweisen? Dieses Risiko ist doch eher gesunken, zwar ist der Aktienkurs gestiegen, dabei aber nur der galoppierend guten Nachrichtenlage hinterher gehechelt. Noch nie wurde die Aktie zu einem so niedrigem KGV gehandelt, aktuell gerade mal 6,xx. 

Sehr seltsam finde ich auch, daß Sie überhaupt nicht mehr auf die Peergroup hinweisen. Seit geraumer Zeit wird wieder die Manchester United Aktie gehandelt. Manchester United kommt auf eine Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden bei einem KGV von 72. Das sehe ich zwar als deutlich überbewertet an, dennoch komme ich dabei unweigerlich zu dem Schluß, daß die BVB Aktie deutlich mehr Chancen als Risiko hat. 

Zusammenfassend möchte ich sagen, daß ich ein gewisses Verständnis für den Ärger in den Internetforen habe, da man nicht nachvollziehen kann, daß Sie plötzlich in Ihrer letzten Analyse von einer Nichtqualifikation zur Champions League ausgehen, während Sie sich in Ihrem Interview dabei selbst widersprechen und sich dann noch über den Ärger in den Internetforen lustig machen. 

1 Kommentar:

  1. Herr Kränzle hat mir mittlerweile geantwortet und mitgeteilt, daß er kein Research mehr schreiben dürfe, da sein Arbeitgeber die Erstellung von Research eingestellt hat.

    Auf der Homepage von Westend Brokers AG wird das bestätigt:

    http://www.westendbrokers.de/index.php?article_id=127&filename=mitteilung_der_wb_-2013-03-04.pdf

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